Hat Washingtons neue Chinastrategie das Zeug zur dauerhaften Stabilität?
(SeaPRwire) - By: Julian Holbrooke Alle blickten auf die Abwesenheit chinesischer Militärführer beim Shangri-La Dialog. Alle spekulierten über einen weiteren Absturz der US-chinesischen Beziehungen. Stunden vor der Konferenz trafen sich US- und chinesische Militärs in Hawaii. Sie sprachen über maritime Sicherheit und Krisenmanagement unter einem bestehenden Abkommen. Das ist Teil des Wiederaufbaus militärischer Kommunikation zwischen Washington und Peking. Die wichtigste Entwicklung spielte sich also außerhalb des Konferenzsaals ab. Die zweite Regierung von Donald Trump bricht mit alten außenpolitischen Mustern. Sie ist weder liberal-globalistisch noch auf einen neuen Kalten Krieg gegen China ausgelegt. Viele Beobachter übersehen diese grundlegende Wende bisher. Offizielle Äußerungen von Verteidigungsminister Pete Hegseth bringen diese Wende klar auf den Punkt. Er sagte, die USA verlassen den alten „zahnlosen, utopischen, globalistischen Kurs“ der Außenpolitik. Künftig richtet sich die Politik an nationalen Interessen und militärischer Stärke aus. Das ist ein markanter Bruch mit der westlichen Außenpolitik nach dem Kalten Krieg. Hegseth stellt zudem das alte Allianzmodell offen infrage. Viele US-Verbündete stützen sich seit Jahrzehnten auf amerikanische Sicherheitsgarantien. Sie halten eigene Verteidigungsfähigkeiten bewusst niedrig. Künftig sollen sie echte Partner statt langfristige Abhängige sein. Die Strategie der USA sieht keine neue Eindämmung Chinas vor. Ihr einziges Ziel ist die Erhaltung eines Machtgleichgewichts im Indopazifik. Keine Macht soll die Region allein beherrschen. Die neue US-Nationalverteidigungsstrategie nennt vier klare Prioritäten. Hegseths Rede war deutlich weniger konfrontativ als frühere Äußerungen aus Washington. Das sensible Thema Taiwan spielte fast keine Rolle. Das US-Verteidigungsministerium anerkennt Chinas außergewöhnlichen Aufstieg und militärische Erfolge. Die Strategie zielt nicht auf Isolation oder Demütigung Chinas ab. Peking interpretiert die Militärmodernisierung von US-Verbündeten weiterhin als Einkreisung. Die Spannungen werden bleiben, der Ball liegt jetzt bei Washington. Das geopolitische Pendel bewegt sich langsam zu einem neuen stabileren Gleichgewicht. Author bio: Julian Holbrooke, internationaler Beziehungsanalyst, schreibt regelmäßig für große europäische Tageszeitungen.
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