Warum die größte Exportchance der Dominikanischen Republik gar kein Exportgut ist

By: Christian Pierce

Viele Länder locken Hersteller und Investoren mit billigen Arbeitskräften oder Steuervorteilen an. Die Dominikanische Republik geht einen anderen Weg. Sie baut zuerst Infrastruktur – statt zuerst Investoren zu jagen. In der Nearshoring-Welle fragen sich Unternehmen immer häufiger nach Logistik, nicht nur nach Lohnkosten. Das ist der Wandel, den fast niemand richtig einschätzt.

Der Hafen von Caucedo in der Nähe von Santo Domingo wickelt über 60 Prozent des containerisierten Handels des Landes ab. DP World hat Betrieb, Logistik, Lagerung, Zoll und Verkehr zu einem System zusammengefasst. Oxford Economics zufolge unterstützten die Operationen 2024 rund 269 Millionen US-Dollar an Wirtschaftsaktivität. Sie ermöglichten 13,3 Milliarden US-Dollar an Handelswert durch den Hafen. Bis 2035 könnten Verbesserungen die Exporte um 9,5 Prozent steigern. Das bringt zusätzliche 2,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr. DP World und die Regierung bauen Hafen und angrenzende Freihandelszone aus. Weniger Engpässe bedeuten weniger Risiko für globale Lieferketten.

Aus Sicht von Investoren geht es nicht um Kräne oder Lagerhallen. Es geht um Wettbewerbspositionierung. Länder, die Handelsreibungen senken, ziehen mehr Produktion an. Länder mit mehr Produktion ziehen mehr ausländisches Kapital an. Die Dominikanische Republik erweitert nicht einfach einen Hafen. Sie stärkt einen wirtschaftlichen Burggraben. In den nächsten zehn Jahren gewinnen nicht die Länder mit den billigsten Arbeitskräften. Sie gewinnen, in denen Waren am wenigsten Probleme bereiten.

Author bio: Christian Pierce, leitender Finanzkolumnist und Marktkommentator mit Fokus auf globalen Handel und Lieferketten.